Tourismus im Klimawandel – was jetzt zu tun ist

Am 27. November 2025 stand am Tourismus Forum Schweiz (TFS) in Bern der Klimawandel im Zentrum. Rund 165 Fachpersonen aus Politik, Wirtschaft, Forschung und Verwaltung diskutierten, wie sich der Schweizer Tourismus an steigende Temperaturen anpassen kann und welche Rolle Kommunikation dabei spielt.
Prof. Dr. Erich Fischer von der ETH Zürich zeigte auf, dass sich die Schweiz schneller erwärmt als der globale Durchschnitt. Die Schneefallgrenze ist in den letzten Jahrzehnten um rund 500 Meter gestiegen. Je nach Szenario wird sie weiter ansteigen. Für viele Destinationen bedeutet das: klassische Wintersportangebote verlieren an Planungssicherheit, strategische Entscheide werden komplexer, Alternativen gewinnen an Bedeutung.
Fischer benannte drei zentrale Hebel im Tourismus:
• die Anreise der Gäste, insbesondere Distanzen und Verkehrsmittel
• emissionsintensive Infrastrukturen vor Ort
• Energieverbrauch und Ernährung in Betrieben
Diese Hebel sind entscheidend für Emissionsreduktion und Anpassung und sie sind zugleich kommunikativ anspruchsvoll.
Drei Kommunikationskniffe, die sich direkt umsetzen lassen
- Klar benennen, was zusammengehört
Ein zentrales Learning aus Bern: Klimaanpassung und Klimaschutz dürfen kommunikativ nicht getrennt werden. Klimaanpassung hält den Betrieb stabil, etwa durch neue Sommerangebote. Emissionsreduktion senkt den CO2-Fussabdruck, etwa durch nachhaltige Mobilität. Erst zusammen ergibt sich eine glaubwürdige Strategie.
Kommunikationskniff: Sprich Anpassung und Emissionsreduktion immer gemeinsam an – in Strategien, Mediengesprächen und politischen Vorlagen. So entsteht ein vollständiges und nachvollziehbares Bild.
- Von konkreten Hebeln sprechen, nicht nur von Zielen
Ziele wie Netto-Null 2050 geben eine Richtung vor, sagen aber wenig darüber, was im Alltag zu tun ist. Verständlich wird Klimastrategie dort, wo konkrete Hebel benannt werden. Zum Beispiel bei der Anreise der Gäste, beim Energieverbrauch von Infrastrukturen oder bei der Verpflegung in Betrieben. Diese Bereiche lassen sich beeinflussen, messen und Schritt für Schritt verbessern.
Kommunikationskniff: Strukturiere Botschaften entlang konkreter Hebel wie Anreise, Energie oder Infrastruktur und nutze sie konsequent in Präsentationen, Papieren und Interviews. Das erleichtert Verständnis und Diskussion.
- Instrumente sichtbar machen
In Bern wurde deutlich, dass gute Entscheide verlässliche Grundlagen brauchen. Mit der Plattform Kompass Schnee liegen erstmals wissenschaftlich fundierte Daten zur künftigen Schneesicherheit vor. Sie helfen Destinationen, Investitionen realistisch zu planen. Ergänzend dazu unterstützt das Förderprogramm Adapt+ Projekte, die sich an die schrittweisen Veränderungen des Klimawandels anpassen. Beides schafft Orientierung und Handlungsspielraum.
Kommunikationskniff: Sprich nicht nur über Herausforderungen, sondern immer auch über verfügbare Daten, Instrumente und Fördermöglichkeiten. Das zeigt, dass Handeln möglich ist und entlastet die Diskussion.
Praxisbeispiele statt Grundsatzdiskussionen
Anhand konkreter Destinationen wurde gezeigt, wie Anpassung aussehen kann: klimaneutrale Schifffahrt, CO2-neutrale Pistenpräparation oder neue Mobilitätskonzepte mit Mobilitätshubs zur Besucherlenkung. Auch kleinere Destinationen wie Vercorin arbeiten daran, Frequenzen und Übernachtungen zu steigern, ohne den CO2-Fussabdruck zu erhöhen.
Dabei wurde offen über Herausforderungen gesprochen: komplexe Zuständigkeiten, politische Prozesse, fehlende Daten und Überzeugungsarbeit bei Bevölkerung und Gästen. Gerade diese Offenheit erwies sich als kommunikative Stärke.
Was bleibt
Ein klares Fazit des Forums: Mitigation und Anpassung müssen Hand in Hand gehen. Der Bund will diesen Weg aktiv unterstützen. Die Erkenntnisse aus dem TFS fliessen in die neue Tourismusstrategie des Bundes ein, die Anfang 2027 verabschiedet werden soll. Klimaschutz und Anpassung sollen darin fest verankert werden.
Für Destinationen heisst das: Klimakommunikation wird zur Führungsaufgabe. Wer strukturiert, ehrlich und lösungsorientiert kommuniziert, schafft Akzeptanz und Handlungsspielraum für die nächsten Jahre.
